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DER INHALT DER ABIZEITUNG

WOZU DIENT DER ABIORDNER? WIE FINANZIERT MAN DIE UNKOSTEN? WIE ORGANISIERT MAN DIE PRODUKTION IN EINER ABIREDAKTION? AUF WAS KOMMT ES BEI KURSBERICHTEN, LEHRERTESTS UND DEM PERSONENVERZEICHNIS AN?


Tipps aus dem Erfahrungsschatz der Journalistik-Studentin Anke Kollmann…

Auch wenn Ihr diese Binsenweisheit schon tausendmal gehört habt, solltet Ihr sie für die Abizeitung besonders ernst nehmen: Je früher Ihr Euch darum kümmert, desto besser wird das Ergebnis. Da die Abizeitung oder das Abibuch, je nach Region schwankt die Bezeichnung, eine Bilanz der Schulzeit ist, liegen die beschriebenen Ereignisse oft schon eine Zeit zurück. Also möglichst früh und zeitnah Anekdoten sammeln, Ideen suchen und Fotos machen. In der Regel hat man ja in der Schule oder auf Jahrgangsstufenfesten keine Kamera dabei. Das ist hinterher schade, hat man so doch von der Hauptbeschäftigung und den Menschen des ersten Lebensviertel fast keine Erinnerungen.

Der Abiordner
Es hat sich bewährt, schon früh, spätestens zu Beginn der Oberstufe, einen „Abiordner“ anzulegen. Also einen Ordner voller leerer Seiten, für jeden Schüler und Lehrer eine, die darauf warten, mit Sprüchen und Stories zur entsprechenden Person gefüllt zu werden. Dann habt Ihr die Lacher und den blöden Spruch noch im Ohr, wenn Ihr nach der Stunde die Begebenheit gleich in den Abiordner reinschreibt. Und übrigens gibt es in der Pause fast nichts interessanteres, als im Ordner nachzulesen, was denn da schon bei wem alles so drinsteht. Wenn es dann in der heißen Produktionsphase darum geht, die Personenseiten zu jedem einzelnen Abiturienten zusammenzubasteln, kann man einfach aus dem reichen Fundus der gesammelten Sprüchen und Kommentaren ein „Best of“ schöpfen.

Die Finanzierung
Wer clever ist, finanziert mit der Abizeitung nicht nur die Unkosten der Herstellung, sondern auch noch einen Teil des Party- und Jahrgangsbudget. Wer eine attraktive und witzige Abizeitung bastelt, die auch für viele Außenstehende interessant ist, kann eine hohe Auflage erzielen. Und wer eine hohe Auflage erzielt, kann hohe Anzeigenpreise verlangen. Besonders weil die Anzeige in einer Abizeitung für ein Unternehmen eine langfristige Investition ist: Uns fällt gerade kein anderes Printmedium ein, daß so oft hervorgekramt und wiedergelesen wird wie eine Abizeitung. Und mit der Abizeitung liest man auch die Anzeigen wieder und wieder – selbst eine Anzeige im Telefonbuch wandert nach einigen Jahren, durch die neue Auflage verdrängt, ins Altpapier. Nur in der Abizeitung profitiert der Inserent ein Leserleben lang. Wer weiß, vielleicht kramt mancher seine Abizeitung noch im Altenheim mit den Erinnerungen an seine Jugend hervor. Und damit auch die Anzeige. Hier stellt sich dann wieder die Frage, ob die Firma überhaupt noch existiert.

Trotz aller dieser Vorteile, die sich prima im Verkaufsgespräch ausbreiten lassen, muß man bei der Verhandlung mit den Geschäften darüber im klaren sein, daß sich diese Anzeige für sie wirtschaftlich nicht lohnt. Es entspricht eher einer Art Sponsoring, also PR. Denn die Leserschaft einer Abizeitung entspricht selten der Zielgruppe – also den potentiellen Kunden – eines Geschäftes. Wenn man die Anzeigenpreise am Markt kennt und die Vorteile einer Anzeige gut darlegen kann, hat man dennoch eine gute Einnahmequelle. Vielleicht kann man die Anzeige als sinnvolle PR-Maßnahme verkaufen.

Wichtig ist, daß man möglichst vor anderen Abizeitungen und vor der Schülerzeitung in den Geschäften ist. Die meisten Einzelhändler bezahlen nämlich nur eine Anzeige. Es hat sich bewährt, daß Zweierteams durch die Geschäfte laufen, dort nach dem Geschäftsführer fragen, weil er über solche Dinge entscheidet, und ihm ihr Anlegen vortragen. Man darf dabei nicht kleine Firmen und Handwerksbetriebe vergessen, also Firmen, die keine Geschäftsräume in einer Fußgängerzone haben. Besonders Versicherungen sind interessant, weil Abiturienten in ein Alter kommen, wo sie bald eine Versicherung brauchen könnten – also heftig umworben sind. Bezüglich der Anzeigenpreises orientiert Euch am besten an den Preisen anderer Schulen und an den Preisen des Jahrgangs vor Euch, die Ihr moderat erhöhen könnt.

Kleiner Tipp noch: Aus unerklärlichen Gründen hatten hübsche Abiturientinnen in der Vergangenheit eine höhere Erfolgsquote beim Anzeigensammeln als ihre männlichen Kollegen..

Die Redaktion
Das Redaktionsteam hat die Hauptarbeit, aber letztendlich auch die Entscheidungsbefugnis. Wie überall gilt auch hier: „Wer viel macht, hat viel Macht.“ Abizeitungen sind immer so bunt wie der Jahrgang und die einzelnen Artikel so verschieden wie die einzelnen Leute – was die Besonderheit der Abizeitung ausmacht. Trotzdem muß das Redaktionsteam die groben Richtlinien festsetzen und die Dinge koordinieren. Möglichst früh gilt die Frage zu klären: Wer macht was? Dies beinhaltet die Frage: Was will jeder machen, was sollte man machen.

Hier eine grobe Ideensammlung für Artikel in einer Abizeitung:

Berichte über die Kurse (Leistungs- und Grundkurs)
Bewährt ist ein Team von1-2 Mann, die einen Rohentwurf liefern, der dann vom ganzen Kurs abgesegnet wird. Es ist jedes Jahr aufs neue originell, was den Leuten als Thema für den Abibericht einfällt: Der Kurs als Fußballmannschaft, der Lehrer der Trainer und die Schüler je nach Charakter auf verschiedenen Positionen, oder in Gedichtform, oder die Kursteilnehmer als Charaktere in einer Kriminalgeschichte usw.

Kurs- und Lehrertests
Für die Schüler in der Mittelstufe sind kritische Berichte zu den jeweiligen Kurslehrer ganz interessant, müssen sie sich doch gerade die Kurse aussuchen, in denen sie später ihr Abitur schreiben werden. Ein zusätzliches einheitliches Testmuster, das den Durchschnitt der Lehrerbewertung der einzelnen Kursteilnehmer darstellt ist ebenso witzig und macht die verschiedenen Lehrer und Kurse einander vergleichbar.

Das Personenverzeichnis
Das Herzstück der Abizeitung. Es befriedigt das Neugierde-, Menschen- und Tratschbedürfnis und ist oft einziger Kaufgrund. Außerdem ist es nach Jahren der Teil, der am meisten gelesen wird. Also lohnt es sich, hier ein wenig Sorgfalt zu investieren. Unbedingt müssen hier mindestens ein Foto, eine kurze Personenbeschreibung, die gewählten Leistungskurse, eine Grußmöglichkeit und einige Kommentare rein. Es bietet sich an, einige Fragen zu suchen, für die jeder im Abijahrgang eine schöne Antwort finden kann.