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ALS IN DEN SUPERMÄRKTEN DER WEIN KNAPP WURDE …

ABIFEST – DAZU GIBT ES TAUSEND MÖGLICHKEITEN UND BRÄUCHE. ABER IM PRINZIP WEISS JA JEDER, WIE EINE UNVERGESSLICHE PARTY AUSSEHEN MUSS. WIR HABEN EINEN EXPERTEN GEFRAGT, DER TROTZDEM NOCH EIN PAAR GUTE IDEEN WEISS.


Im wesentlichen gibt es zwei Arten: Indoorpartys in Discos, Clubs oder anderen Locations und Outdoorpartys, meist irgendwo im Feld und auf der Heide. Indoorpartys werden entweder von Discobetreibern organisiert, die natürlich auf Gewinn des Veranstalters aus sind – immerhin lebt er davon – oder von den Abiturienten selbst, die aber oft genau so die Party benutzen, um die Abikasse zu füllen – was ja im Grunde nichts Schlechtes ist. Outdoorpartys sind im eher großstädtischen Raum leider völlig zu unrecht wenig bekannt. Das fängt beim Kasten Bier an, mit dem man sich spontan nach dem schriftlichen Abi an einer Feuerstelle vergnügt.

Auf der Ostalb organisieren alle Gymnasien gemeinsam das Dreitagefest, das schon eher den Dimensionen eines Festivals entspricht.

Abital fragt den Abiparty-Experten Stefan, was es denn damit genau auf sich hat. Stefan hat als Schülersprecher zahlreiche Partys organisiert, war als Abiturient wesentlich bei der Arbeit für das Dreitagefest dabei und organisiert heute Studentenpartys. Er weiß, wovon er spricht.

Abital: Stefan, was fällt Dir als erstes zum Dreitagefest ein?

Stefan: Einfach nur Spaß… gemischt mit einer Prise Vorbereitungen, vielen Litern reiner Alkohol verdünnt mit Gerste und Hopfen oder Traubensaft und Cola, einer Menschenmenge die alle das gleiche Ziel gemeinsam haben, das ganze dann um ein Lagerfeuer sammeln und mit Musikspiritus wie einen „Hexenkessel“ anheizen.

Abital: Erzähl mal genau, wie es abläuft und worauf es ankommt…

Stefan: Es beteiligten sich 4 Gymnasien im Raum Heidenheim (Ostalbkreis) am Fest selbst (mache mehr manche weniger). Die Gesandten der Abitursjahrgänge trafen sich im Vorfeld zwei Mal als grosse Gruppe und verteilten die Aufgaben, Kompetenzen und legten Termine fest. Zuallererst benötigt man einen Platz, auf dem man gut feiern kann, das kennt jeder: Er sollte abgelegen sein, aber dennoch erreichbar, groß genug um ein paar Leute zu fassen, aber doch klein und übersichtlich, Parkplätze wären nicht schlecht, aber nicht zu weit entfernt… Wenn man mal diese Hürde überwunden hat, und für eine „Großveranstaltung“ die Staatliche Genehmigung hat, dann kommt endlich der Stein ins rollen. Man sollte sich im Vorfeld überlegen ob man ein Großzelt braucht. Das hat den Vorteil, dass auch bei schlechtem Wetter im April gefeiert werden kann, verursacht aber zusätzliche Kosten. Wir hatten keines, was der Feierlaune auch bei Schnee keinen Abbruch tat. Das Fest lief so ab, dass wir Donnerstag abends angefangen haben (Freitags waren nur noch schriftliche Latein-Prüfungen) und bis Sonntag Nachmittag durchgefestet haben. Vom Wetter her gab es kunterbunte Abwechslung. Freitagnacht schneite es und Samstagnacht hatte es 25°C nach einem richtigen Sommertag. Das bescherte uns dann auch um die 600 Gäste – außer den 500 Abiturienten.

Abital: Welche Mengen sind dabei im Spiel?

Stefan: Von den Mengen her haben wir uns ausgerechnet, wie viele ungefähr kommen werden. Ich kann mich nicht mehr ganz daran erinnern, aber ich glaube wir hatten am Anfang 805 Liter Bier und kauften am Samstag nochmals nach. Das Nachkaufen von Bier ist nicht sehr schwer, da für eine Solche Veranstaltung jede Brauerei/Getränkehandel sicher extra überstunden macht. Beim Wein war es schon komplizierter. Wir kalkulierten mit 100 Litern. Nur haben wir nicht berücksichtigt, dass Rotwein mit Cola gemischt („Korea“) einen so reißenden Absatz fand. Nach einer Nacht (Donnerstags waren nur Abiturienten anwesend, da es sich 1. noch nicht herumgesprochen hatte und 2. Donnerstags sowieso kein anderer Zeit gehabt hätte) waren alle Weinreserven aufgebraucht. Das hieß dann nachkaufen: aber der Wein war bestellt worden, und konnte in dieser Zeit nicht geliefert werden. So sind wir in alle namhaften Supermärkte in der Gegend gefahren und haben alles, was sie so an 0,99DM (0,50€)-Tetra-Pack-Weinen da hatten, leer gekauft. Die Kassiererinnen staunten nicht schlecht, als 3 Jugendliche mit 2 Einkaufswägen voller Wein vorfuhren – war ein echter Spaß, sogar so toll, dass wir das wiederholt haben (und auch weil der Wein 2mal fast ausging) Cola und Fanta wurde wie das Bier einfach und unkompliziert beim Getränkelieferanten nachbestellt, der auch alle übrigen vollen Flaschen wieder zurücknahm.

Abital: Seid Ihr mit der Finanzierung rausgekommen?

Stefan: Ja, sehr gut sogar. Wie ich schon erwähnt habe, hatten wir uns im Vorfeld Gedanken über die Mengen gemacht. Das, zusammen mit allen anderen Unkosten für den Platz, die DiXi-Klos (sind meist Auflage bei Großveranstaltungen), die Musikanlage (wurde von einer „fahrenden Disco“ günstig angeboten, mit der Auflage, dass nur deren Mitarbeiter auflegen durften), den Kühlwagen für die Getränke, Benzin für das Stromaggregat und einer kleinen Sicherheitsgebühr für evtl. anfallende Kosten ergab unsere Gesamtkosten. Dies geteilt durch die Anzahl der evtl. Teilnehmenden Abiturienten und evtl. zahlenden Gästen ergibt die Kosten/Abiturient. Bei uns sah es so aus, dass wir Tickets für 35,-DM angeboten hatten, für die man 3 Aufkleber bekam. Wer solch einen Aufkleber besaß, konnte 3 Tage lang um sonst trinken (darin waren alle Unkosten eingerechnet, so dass auch alle Freunde, die damit sowieso um sonst trinken würden, in der Kalkulation enthalten waren). Ca. 250 solcher Tickets wurden an den Abiturienten gebracht. Dies und die Tatsache, dass wir so viele fremde (zahlende) Gäste an einem Abend hatten bescherte uns ein solches Plus, dass wir allen zahlenden Abiturienten später 12,50DM wieder ausbezahlen konnten.

Abital: Was solltest Du lieber nicht erzählen?

Stefan: Das erzähle ich auch lieber nicht – obwohl, na gut: Es war eben eines Nachts so kalt, dass ich mich entschloss lieber im Auto zu übernachten. Ein Mädel hatte sich zu dem gleichen entschlossen und so verabredeten wir uns in meinem Auto. In der 2. Nacht war es ähnlich nur mit einem andern Mädel. In der 3. Nacht wieder eine andere. Dies führte zu Eifersüchteleien und Gerüchten… den Rest denkt euch selbst. Jedenfalls sollte man sein Auto besser so abstellen, dass nicht alle jeglichen nächtlichen Besuch mitbekommen.
Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: als wir morgens zu McDo… kamen (wie immer zum Frühstücken), lag im Graben ein Fiat Panda auf dem Dach, der am Abend zuvor noch auf dem Festparkplatz stand. Es war niemand verletzt, aber wenn… dann wäre die Feststimmung vorbei gewesen. Dieser Schocker soll jetzt niemanden abschrecken, nur sollten sich alle über Sicherheitsvorkehrungen jeglicher Art Gedanken machen.