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ABIBALL – GALAABEND NACH ENDLOSEN LERNMARATHON

WIR FEIERN DEN ABSCHLUSS DER ERSTEN LEBENSETAPPE MIT DEN LEUTEN, DIE BIS DAHIN DIE „VORGESETZTEN“ WAREN: DIE EIGENEN ELTERN UND DIE LEHRER. AB DIESEM TAG BRECHEN WIR AUF IN DIE SELBSTBESTIMMUNG UND DIE VERANTWORTUNG FÜR DAS EIGENE LEBEN: DIE LETZTE STUFE DER TRÄGERRAKETE HAT IHRE ARBEIT GETAN, AB JETZT FLIEGEN WIR ALLEINE…


Wie dies entsprechend zelebrieren werden kann, hat Anne Kollmann herausgefunden…

Der Abiball ist der offizielle Höhepunkt aller Abifeierlichkeiten. Alles putzt sich nett heraus, alles sind da: Lehrer, Abiturienten, Eltern, Geschwister und Freunde. Und selbst die Vorgänger von früheren Abijahrgängen lassen sich oft die Ehre nicht nehmen, noch einmal an alter Wirkungsstätte aufzutauchen.

Was macht einen guten Abiball aus? Vielleicht ist es das gelungene Zusammensein und Zusammenfeiern von so unterschiedlichen Gruppen wie Lehrer und Schüler, Familie und Schüler, Rektor und Freunde. Vermutlich feiern diese unterschiedlichen Gruppen am Abiball auch so eine Art Versöhnung: Die Lehrer sind keine Gegner mehr, sondern ehemalige Trainer, die hoffen, ihre Züglinge gut für die große, weite Welt vorbereitet zu haben. Und die Eltern kommen mit dem Abiball auch irgendwie am Ende ihrer Erziehung an, denn mit dem Abiball endet auch das „solange du deine Füße unter unseren Tisch streckst, sagen wir dir auch, wo es lang geht“-Verhältnis. Denn die meisten Abiturienten ziehen nach dem Abi wegen Staatsdienst und Studium von Zuhause weg.

Dieses Aufeinandertreffen so unterschiedlicher Gruppen bedeutet für uns Abiturienten eine Gratwanderung: Wir wollen feiern, klar. Aber die Eltern sind da, die Lehrer sind da, wir können nicht total ausflippen. Auf der anderen Seite können wir sehr wohl ausflippen, haben uns doch beide nicht mehr wirklich was zu sagen…

Was gehört zu einem guten Abiball?
Wie bei jedem guten Ball: Erst einmal Essen und Musik. Zum Essen müssen alle – was meist aller Abiturienten Mütter bedeutet – zusammentragen, die Musik kommt von einer Liveband (Luxusversion) oder vom Abi-DJ (kostenbewußte Version). Das Musikspektrum verteilt sich in der Regel auf Abiturientenmusik (damit die Hauptpersonen auf ihre Kosten kommen) und ältere Sachen, damit die Alt68er-Lehrer mal wieder auf „Satisfaction“ und „Highwaystar“ toben können. Auch sollte Papa die Möglichkeit nicht genommen werden, mal wieder die Mama zu einem gediegenen Foxtrott über die Tanzfläche zu schieben. Dabei kommt es nicht selten vor, dass mancher Abiturient seine „Alten“ nach deren heißem Twist auf dem Abitanzparkett plötzlich mit ganz anderen Augen sieht.

Gut, als nächstes sind die Reden dran: Rektor an Abiturienten, Eltern an Abiturienten, Abiturienten an Eltern, Abiturienten an Schule usw. Was natürlich alles durch dementsprechende Ideen und originellen EInfällen aufgelockert werden kann.

Den größten Teil des Programms füllen die Kurseinlagen. Viele Kurse bedanken sich mit einer kleinen Einlage bei ihrem Lehrer, der bei dieser Gelegenheit dann ein kleines Geschenk überreicht bekommt. Man sollte, wenn man Kritik an den Lehrern üben möchte, dies lieber in der Abizeitung tun. Persönlich jemand auf der Bühne zu kritisieren gehört weniger zum guten Stil.

Dann taucht allerdings das nächste Problem auf: Wenn die Abizeitung vor dem Abiball verkauft wird, kommen viele kritisierten Lehrer gar nicht mehr. Wenn man die Abizeitung während dem Abiball zum ersten Mal verkauft, müssen sich die Lehrer beim Lesen ihrer Kursberichte von den Schreiberlingen beobachten lassen und wenn man die Abizeitung erst nach dem Abiball verkauft, dann entgeht einem das größte Geschäft (siehe Abizeitung – Link).

Kurseinlagen können Sketche zu einer für den Lehrer oder Kurs typischen Situation sein, ein Quiz mit dem Lehrer zu seinem Fachgebiet oder eher ausgefallenere Dinge wie das erkennen der einzelnen Kursteilnehmer durch den Lehrer mit verbundenen Augen, der nur die Schenkel der Kursteilnehmer befühlen darf etc.

Weitere mögliche Programmpunkte gibt es unbegrenzt. Bei uns im Gymnasium gibt es zum Beispiel die Tradition des Mulustanzes. Dabei tanzt der ganze Abijahrgang paarweise, immer einen Luftballon zwischen die schwitzenden Köpfe geklemmt zu immer schneller werdenden Musik. Die Luftballons gehen bei fortschreitendem Rhythmus und zunehmender Schnelligkeit der Musik zu Boden. Wer zuletzt übrig ist, bekommt den begehrten Stoffesel. Der muß dann im nächsten Jahr den Gewinnern des nächsten Abijahrgangs weitervererbt werden.

Eine weitere Idee ist das umständliche Versteigern der Druckvorlagen der Abizeitung. Obwohl die Auktionator superwitzig war, fand er keinen Käufer. Am Ende erbarmte sich sein Vater und kaufte den Papierstapel für 150,- DM. In manchen Jahrgängen studieren fesche Abiturientinnen eine Tanzperformance ein, die sie nicht nur am Abiball, sondern auch auf dem Schulhoffest und der Abiparty aufführen können. So gibt es viele weiteren Ideen und es obliegt jedem Abijahrgang und seinen Talenten, ein buntes und unvergessliches Programm zu finden.

Was ist sonst noch wichtig? Eine gutsortierte Cocktailbar, die dem Abijahrgang bei günstigem Einkauf der Spirituosen auch finanziell gut tut. Ansonsten wird über den Eintritt verdient. Für einen gut organisierten Ball ist es üblich, ein bißchen mehr zu bezahlen. Allerdings muß dann, angefangen von der Dekoration bis hin zum Programm auch alles passen.

Es ist keine Frage, das jeder Abiturient am nächsten Morgen beim Aufräumen und Putzen hilft. Aber mit guter Musik und einem Kasten Bier ist das auch ganz witzig – und schon wieder das Warming-Up für die nächste Abiparty am Abend, zum Beispiel dem „Abibar-Restetrinken“.